Der Hl-Lidl-XY-Markt am Teutoburger Platz ist sicherlich ein Aspirant für den Titel. Favorisiert ist aber auch in der Niebuhrstrasse der Neubau, der sich als City-Loft-Living (oder war es Loft-City-Living?) ausgibt und in Wirklichkeit nur billigste Ideenlosigkeit ist – ein Verbrechen, das insofern schwer wiegt, weil man die Chance gehabt hätte, was “Anständiges” zu bauen. (Zur Info: ich bin kein Architekt, der sich um das Projekt beworben hatte. Auch kein Anwohner, der beleidigt ist, weil sein geliebter Fiffi oder Rex sich dort nicht mehr entleeren darf.) Billigste Ideenlosigkeit, die dennoch wahrscheinlich 2.500 Euro pro qm kostet. Für das so genannte Penthouse mit Sicherheit mehr. Auch ein architektonisches Verbrechen: das neue Motel an/ auf der Kantstrasse, direkt neben dem Theater des Westens. Glas und Klinker, in einer Farbe, die wohl als “pfiffigen Kontrast” den offensichtlich bewußtlosen Bauherren angedreht wurde. Obwohl, was heißt bewußtlos: jeder Bauherr bekommt die Architekten, die er verdient. Das Problem: wir müssen damit leben. Während die Herren Bauherren sich schon um die nächste Monstrosität kümmern. Nun gut, das sind 3 Titelaspiranten: noch ist nichts entschieden. Vorschläge werden gerne entgegen genommen. Have a nice weekend.

Jedes Ding hat seine Zeit. Sein Verfallsdatum. Nichts bleibt ewig. Nichts? Das stimmt leider nicht ganz. Vieles bleibt ewig. Alle Bausünden, die jemals begangen wurden. (Es sei denn Erdbeben, Krieg oder Sachmangel sorgen für ein frühzeitiges Ende. Erdbeben und Krieg wünscht man ja niemanden. Beim Sachmangel sieht die Sache schon anders aus: wäre doch reizend, wenn all die vergammelten Flachdach-Supermärkte am Prenzlauer Berg, die fiesen Kaufhäuser auf der Zeil oder all die Brutalo-Grüne-Wiesen-Kästen der Bau-, Tier-, Elektro-, Möbelmärkte, die man links und rechts der Autobahnen sieht, geschlossen und geschliffen werden müssen.) Bausünden sind ja auch nicht nur die Bauten, die sich als solche sofort erkennen geben: dumme Parkhäuser, dreiste Brücken, doofe Verwaltungsbauten etc. Nein, viel schlimmer, sind all die unscheinbaren Häuschen und Neubauten, die man Tag täglich überall und zu jeder Zeit sieht. Anders herum gefragt, wie oft sieht oder begegnet man eigentlich guter Architektur? Schaut man sich mit klarem Blick um, ist die Antwort: 1%. Umgerechnet heißt das: 20 Minuten am Tag hat man das Glück, sich in oder in der Nähe eines gelungenen Bauwerkes zu befinden. Deprimierend. Wenn man Architektur als die Natur begreift, die wir uns selber schaffen. Klar, die “wahre” Natur war schon da. Sie können wir nur pflegen, kultivieren oder zerstören (momentan läuft es ja auf letzteres hinaus). Mit guter Architektur hat der Mensch die Chance, die Umstände seines Daseins zu transformieren. Oder eben in einer mausgraue Wohneinheit mit Kunststoff-Fenstern und Laminat-Boden sein Dasein zu fristen. Kurz: Darum geht es hier. Mit wieviel Verve wird sich herausstellen. Die Sache lohnt den Einsatz. (Allerdings gehört zu einem gelungenen Leben auch ein gutes Dinner am Freitag abend, bei dem sich sicherlich wunderbar über das Thema streiten läßt.)Have a nice weekend.