Jedes Ding hat seine Zeit. Sein Verfallsdatum. Nichts bleibt ewig. Nichts? Das stimmt leider nicht ganz. Vieles bleibt ewig. Alle Bausünden, die jemals begangen wurden. (Es sei denn Erdbeben, Krieg oder Sachmangel sorgen für ein frühzeitiges Ende. Erdbeben und Krieg wünscht man ja niemanden. Beim Sachmangel sieht die Sache schon anders aus: wäre doch reizend, wenn all die vergammelten Flachdach-Supermärkte am Prenzlauer Berg, die fiesen Kaufhäuser auf der Zeil oder all die Brutalo-Grüne-Wiesen-Kästen der Bau-, Tier-, Elektro-, Möbelmärkte, die man links und rechts der Autobahnen sieht, geschlossen und geschliffen werden müssen.) Bausünden sind ja auch nicht nur die Bauten, die sich als solche sofort erkennen geben: dumme Parkhäuser, dreiste Brücken, doofe Verwaltungsbauten etc. Nein, viel schlimmer, sind all die unscheinbaren Häuschen und Neubauten, die man Tag täglich überall und zu jeder Zeit sieht. Anders herum gefragt, wie oft sieht oder begegnet man eigentlich guter Architektur? Schaut man sich mit klarem Blick um, ist die Antwort: 1%. Umgerechnet heißt das: 20 Minuten am Tag hat man das Glück, sich in oder in der Nähe eines gelungenen Bauwerkes zu befinden. Deprimierend. Wenn man Architektur als die Natur begreift, die wir uns selber schaffen. Klar, die „wahre“ Natur war schon da. Sie können wir nur pflegen, kultivieren oder zerstören (momentan läuft es ja auf letzteres hinaus). Mit guter Architektur hat der Mensch die Chance, die Umstände seines Daseins zu transformieren. Oder eben in einer mausgraue Wohneinheit mit Kunststoff-Fenstern und Laminat-Boden sein Dasein zu fristen. Kurz: Darum geht es hier. Mit wieviel Verve wird sich herausstellen. Die Sache lohnt den Einsatz. (Allerdings gehört zu einem gelungenen Leben auch ein gutes Dinner am Freitag abend, bei dem sich sicherlich wunderbar über das Thema streiten läßt.)Have a nice weekend.